DSLR vs. Kompaktkamera – Vorteile & Nachteile

Mit Stand April 2009 hat allein Canon bereits 10 Mio. digitale EOS Kameras und rund 40 Mio. dazugehörige Objektive weltweit an den Mann und die Frau gebracht. Aber warum gibt man nun so viel Geld für eine große, schwere und unhandlich erscheinende Kamera aus?

DSLR = digital single lens reflex (digitale, einäugige  Spiegelreflexkamera)

Mein Einstieg in die Fotografie startete mit einer kleinen Olympus C-770 UZ Kompaktkamera. Meine Hauptkritikpunkte an der Olympus waren der enorm langsame und stets unzuverlässige Autofokus, die geringe Akkulaufzeit und die Auslöseverzögerung. Wenn man es nicht anders kennt, arrangiert man sich mit diesen Problemen. Man geht dann davon aus, dass es wohl nicht besser geht. Bis ich dann bei einem Usertreffen eine EOS 10D intensiv testen könnte… und damit war dann klar… eine Digitale Spiegelreflexkamera musste her.

Nun sind einige vermeintliche Vorteil bzw. Nachteile auch sehr subjektiv und was der Eine nun unbedingt braucht, ist für jemand Anderen vollkommen unwichtig oder gar störend. Es gibt aber auch ein paar technische, nicht wegdiskutierbare Vorteile. Da der Markt quasi mit digitalen Kompaktkameras, Handys mit Fotofunktion, Bridge- bzw. Prosumerkameras, semi- und professionellen DSLR Kameras überschwemmt wird, kann man schlecht alle über einen Kamm scheren. Es gibt bestimmt auch kleine Kompaktkameras mit einem recht flotten Autofokus oder sehr langer Akkulaufzeit oder einer sehr guten Makrofunktion u.v.m., aber eine Kompaktkamera mit allen Vorzügen einer DSLR gibt es bestimmt nicht.

Die Vorteile einer DSLR:

  • Sehr schneller und zuverlässiger Autofokus, auch noch unter recht ungünstigen Licht- und Kontrastverhältnissen, gekoppelt mit der schnellen Umschaltung auf manuelle Fokussierung.
  • Aufgrund der Größe des Bodys können größere und leistungsfähigere Akkus verbaut werden. Zudem verbraucht der Sucher im Gegensatz zum LCD keine Energie, daraus ergibt sich eine deutlich längere Akkulaufzeit für viele hunderte Bilder.
  • Auch durch die Größe und das Gewicht liegt die Kamera deutlich besser in der Hand. Also weniger verwackelte Bilder und die Gefahr dass ein die Kamera durch die Finger rutscht ist deutlich geringer.
  • Menüführung und Handling, ausgelegt für den semi- bzw. professionellen Einsatz, es lassen sich alle wichtigen Einstellungen schnell und intuitiv vornehmen.
  • Flexiblere Einsatzmöglichkeiten durch umfangreiches Zubehör wie Objektive mit unterschiedlicher Brennweite und Lichtstärke, Pol-, Grau- und Verlaufsfilter etc., dadurch keine modellbezogenen Einschränkungen.
  • Ein Optimum an Bildqualität bei Verwendung hochwertiger Objektive.
  • Bei Neukauf eines Kamera-Bodys beim gleichen Hersteller kann in der Regel die teure zusätzliche Ausrüstung weiter genutzt werden.
  • Die vollständige Kontrolle über alle relevanten Parameter der Fotografie (Blende, Belichtungszeit, Brennweite, ISO usw.).
  • Größerer Dynamikumfang, dunklere Bereiche im Bild werden gut dargestellt während auch der helle Himmel noch prima ausschaut.
  • Einer der wichtigsten und auch technisch durch keine kleine Kompaktkamera erreichbarer Vorteil, ist eine optimale Kontrolle über die Schärfentiefe und die damit verbundenen Möglichkeiten zur Bildgestaltung.
  • Ausgereifte Technik sorgt für eine schnelle Serienbildfunktion, schnellen Autofokus, sehr kurze Einschalt- und Auslöseverzögerungen etc.
  • Deutlich geringeres Farbrauschen, auch bei hohen ISO Einstellungen. Damit lassen sich auch unter vergleichbar schlechten Lichtbedingungen sehr gute Ergebnisse erzielen.

Wo Licht ist… ist auch Schatten, oder was Sinnvoll erscheint, wird auch gern einmal zur Hürde.

Die Nachteile einer DSLR:

  • Gerade zum Anfang sehr Lern- und Zeitintensiv. Nur die Anschaffung einer DSLR macht noch lange keine schönen Bilder, meist sind die ersten Bilder sehr ernüchternd. Man muss sich intensiv mit diesem Werkzeug auseinander setzten, die dahinter stehende Technik und die Grundlagen der Fotografie verstehen, um die Vorteile dann auch umsetzen zu können.
  • Bildbearbeitung bei einer DSLR ist das Salz in der Suppe, so ganz ohne geht das nicht. Die tollen Fotos die man im Internet mit offenem Mund bestaunen kann, sind nicht ‘Out of Cam‘, sondern per Bildbearbeitungssoftware zumeist gepuscht. So das auch das Einarbeiten in eine unvermeidlich benötigte Bildbearbeitungssoftware einiges an Zeit benötigt.
  • Man versuche einmal mit einer DSLR z.B. in ein Konzert, Fußball- oder Eishockey-Station zu kommen, also ohne Einladung und/oder Presseausweis. :-)
  • Deutlich höhere Anschaffungskosten, zumeist noch Folgekosten für weiteres Equipment, je nach Anforderung und dem Anspruch an die Qualität geht es auch schnell in die tausende von Euros.
  • Natürlich ist auch die Größe und das Gewicht manches Mal sehr hinderlich, hinzu kommen häufig noch weitere Ausrüstungsgegenstände wie ein externer Blitz, Filter und weitere Objektive und was nützt einen die beste Kamera samt Zubehör, wenn man Sie deshalb nicht immer dabei hat.
    Lösung: Eine Zweitkamera, klein und kompakt. :-)
  • Mehr Aufwand bei der Pflege / Wartung wie z.B. Sensorreinigung.
  • Man benötigt meist mehrere Objektive um einen großen Brennweiten-Bereich abzudecken, während einige Kompakte hier vielseitiger einsetzbar sind.
  • Für Makros ebenfalls ein spezielles Objektiv erforderlich, während die gängigsten Kompakten eine Makrofunktion bereits an Board haben.
  • In der Regel noch kein LCD Sucher, auch wenn neuere DSLR jetzt mehr und mehr mit Live View ausgestattet werden (Vorteil bei ungünstigen Aufnahmesituationen).
  • Teure Objektive für Bildstabilisierung (Image Stabilisation, IS), was bei vielen kleinen Kompakt- und Bridgekameras bereits in die Kamera integriert ist.

Nähern wir uns nun wieder der obigen Frage mit dem vielen Geld… und ob das Sinn macht.

Ein alter Leitsatz: Der Fotograf macht das Bild und nicht die Kamera. Fotografie ist Leidenschaft und keine noch so teure Technik kann diese Leidenschaft ersetzen.

Moderne Kompaktkameras sind alttagstauglich, handlich und so hat man sie auch eher mit dabei. Mit etwas Übung und mit etwas fotografischen Verständnis lassen sich damit hervorragende Fotos machen, solange man sie im Rahmen ihrer technischen Möglichkeiten nutzt. Nicht so ganz ohne Grund haben auch wir noch eine kleine Ixus 80 IS. Mit einer Kompaktkamera stößt man aber schon recht schnell an diese technischen Grenzen. Die Lücke zwischen einer kleinen Kompaktkamera und einer DSLR wird durch Bridgekameras geschlossen. Diese beinhalten viele Vorteile einer DSLR und auch einige Vor- und Nachteile einer Kompakten. Sie liegen damit auch preislich im Mittelfeld zwischen diesen beiden Kameratypen. Bridgekameras sind in der Regel wie Kompakte, ein vollständig eigenständiges System. Eine Fototasche, Ersatzakkus und ein paar Speicherkarten als Zubehör reichen meist vollkommen aus.

Es muss ja aber auch nicht immer gleich das Neuste vom Neusten sein, meine alte EOS 20D kann wirklich alles was ich brauche, auch wenn die neueren Versionen Funktionen haben, die man sich ab und dann wünscht. Gerade für den DSLR Einsteiger ist es weniger von Bedeutung ob die Kamera nun 6 oder 23 Megapixel oder nur 5 statt 9 Bilder/Sek. schafft. Auf dem Gebrauchtmarkt kann man auch ältere Kamera Bodys und Objektive für den etwas kleineren Geldbeutel erwerben.

Wer mit seiner Kompaktkamera unzufrieden ist und sich etwas mehr Reserven für seine Urlaubs- und Familienfotos wünscht, sollte einmal einen Blick auf Bridgekameras werfen. Wer sich aber in seiner Kreativität und Leidenschaft möglichst wenig durch technische Grenzen einschränken lassen möchte, sollte sich über die Anschaffung einer DSLR Gedanken machen. Qualitativ gibt es nach oben kaum Grenzen…, preislich natürlich ebenfalls nicht. :-)

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